29 März 2007

sound

Seit einiger Zeit betreibe ich bei myspace einen kleinen Neben-Blog, in dem ich mich Melodien, Songs, Ohrwürmern widme, die mir -wie vielen anderen Menschen auch- tagsüber in den Sinn kommen, die man teilweise nicht los wird. Gewollt oder nicht, angenehm oder nervend. Interessant, als eine Art Assoziations-Tagebuch allein für mich, allemal, führt es dazu, dass ich solchen Eingebungen mittlerweile gedanklich nachgehe um zu schauen, woher sie kommen, ob sie etwas "bedeuten".

Beim neuerlichen Besuch in der Alten Heimat stand der Umzug der Eltern innerhalb ihres Pflegewohnheims an. Patenonkel und beste Freundin aus der Osnabrücker Zeit waren schon dermaßen am Werke, den Hausstand zu sichten und zu verpacken, dass ich immer wieder mal gedanklich abdriftete. Möbel und Gegenstände, die mir mehr als vertraut sind. So sehr ich die Notwendigkeit dieses, ihres Umzuges verstehe und vertrete, so kann ich doch nachfühlen, dass es bei der immer kleiner werdenden Welt meiner Eltern für sie beide nicht einfach ist, das alles so zu verdauen.

Ich drifte schon wieder ab, doch so viel Einblick soll sein. Beim Ausräumens des 47 Jahre zählenden Teak Wohnzimmer Schrankes und bei Berieselung durch "Radio Niedersachsen" (fragt nicht, kein Kommentar) kommen andere radiomusikalische Assoziationen in den Sinn:

Bert Kaempfert - Sweet Caroline (besser als fast alles was an diesem Morgen an Schlagern aus den Boxen säuselte). Das damals ansehnliche Stereo-Radio und Spulen-Tonbandgerät meines Vaters und "Sport und Musik" am Samstag Nachmittag im WDR 1 - irgendwann in den frühen 70ern.

Ein unglaublich dichtes Gebilde an Impressionen taucht für ein paar Augenblicke auf. Kindheit. Kleine Großstadt. Bürgerlichkeit. Geborgenheit. Ahnungslosigkeit. Rituale. Liebe.

Immer wieder und zuletzt beim Aussteigen heute Abend am Berliner Hauptbahnhof stolpere ich über diese, nun ja, Dichotomie von hier und dort, alter Welt und neuer Welt. Ankommen und Wegfahren. Es wird wohl noch einige Zeit so bleiben. Es ist wohl vollkommen in Ordnung so und doch ver-wunderlich.