21 März 2008

Hoffmanns Erzählungen

Ach.
Vielleicht auch nicht ganz geschickt, zwei Tage vorher eine Referenz-Einspielung auf CD zu erstehen. Da hat es selbst die sehr beachtliche Inszenierung an der Komischen Oper schwer. Ein, zwei gesanglich leichte Enttäuschungen, die Hauptrollen aber sehr überzeugend. Wenn man nicht immer wieder das Gefühl hätte, dass Übertitel wie in der Staatsoper doch ganz angebracht wären: Mit der Sprachverständlichkeit gegen das Orchester ist es nicht immer so weit her im akustisch selbst-gerühmten Traditionshaus.
Vielleicht waren einfach die nur die wenig überzeugend inszenierten Dialogpassagen ein Grund für die Befangenheit. Bzw. deren Fehlen: Gelegentlich konnte man sich nicht gegen das Gefühl erwehren, als fehle ein Satz oder jemand warte, dass ihm etwas einfällt.
Dass es -nicht einmal wirklich gewagte- "Modernisierungen" gab... geschenkt. Führte natürlich wieder gern zu bildungsbürgerlichem Kopfschütteln oder "Tss", wenn z.B. Giuletta dann eine Hure genannt wurde, es statt wie einem Palazzo eher wie ein Edelbordell zuging oder Olympia latent vulgär an der Stange tanzte: Alles schon irgendwie plausibel bis spannend.


Doch, das gab es schon vor ein paar Tagen so schön in "I'm not there" über Bob Dylan's Sturm und Drang Periode zu sehen: Bitte alles so lassen wie es war! Bitte keinen neuen Input! Kunst ist nicht dafür da, sich neu zu erfinden. Wir wissen, was Kunst ist, nicht der Künstler!

In der Tat:Tss !


Die Geschichte: tragisch wie zeitlos. Und gar nicht so konstruiert wie im Allgemeinen mit Oper assoziiert. Eher schon die fantastischen, mystischen Ereignisse. Doch schließlich ist die Hauptfigur ja Geisteronkel E.T.A. Hoffmann, kein Geringerer. Dreimal tragisch verliebt, dreimal enttäuscht brüskiert Hoffmann schlussendlich seine aktuelle Flamme - und schwört der Liebe ab und der Kunst zu. Seine Muse, die das alles mit ihm durchleidet, freut's.


Ein gutes Dutzend Ohrwürmer, die Musik ist so verführerisch wie die Frauen, denen Hoffmann verfällt. Und, hach, seufz, die Barcarole. Auch wenn ich drauf gefasst, feuchte Augen zu bekommen. Wie die Drehbühne sich dann sacht hin und her drehte, die Hintergründe entgegengesetzt. Wie immer sind diese vielleicht schönsten Minuten zu schnell vorbei. Eigentlich ganz passend.